Magic Moments

Seit ihrer ersten gemeinsamen Etappe vor zwei Jahren ist diese Gruppe ein verschworenes Team. Einmal mehr haben sie dieses Jahr auf der transalpSchweiz das gefunden, was alle in den Bergen suchen: Abenteuer und magische Momente. Weshalb das so ist, skizziert Thomas Theurillat, Bergführer der Gruppe und Coach, in einem kurzen Text.

Auf der ersten gemeinsamen Etappe dieser Gruppe, vor zwei Jahren, war es zu einem Unfall gekommen. Doch nun geht es der verunfallten Person wieder gut und die gesamte Gruppe vereinte sich erneut, um eine weitere Strecke der transalpSchweiz zu unternehmen.

Die Transalp ist ihr gemeinsames Projekt, ihr gemeinsames Ziel. Und dies ist der beste Fall für ein gutes Bergerlebnis: zusammenzuarbeiten, gemeinsam Erfolg zu haben und damit die anderen in ihrer Stärke zu erleben. Dadurch entsteht das, was wir «Spirit» nennen.

In dieser Gruppe hat sich dieser «Spirit» mit jedem Jahr verstärkt. Weshalb? – Dazu hole ich rasch aus: In unserem Leben versuchen wir oft die Kontrolle zu behalten. Diese Gruppe aber hat sich getraut, einen Teil der Kontrolle abzugeben. Einen Graubereich zu suchen, in dem nicht mehr alles geplant ist. Sprich, diese Leute haben nicht bloss eine Bergtour gemacht, sondern die Bergtour etwas mit ihnen machen lassen. Das ist es, was Abenteuer möglich und Bergtouren bereichernd macht. Und dann entstehen auch die Magic Moments.

Text: Thomas Theurillat; aufgezeichnet von Caroline Fink | Foto: Tinu Kunz

Cottische Bildergeschichten

Die dritte Etappe der Transalp im Süden bot Eindrücke aus einsamen Tälern und charmanten Dörfern. Hier eine Bildergeschichte zwischen Valle Po und Val di Susa. Wir wünschen viel Freude beim Klicken und Schauen, Lesen und Entdecken! – P.S. Eine Reportage zur selben Etappe finden Sie im vorangehenden Post.

Fotos: Caroline Fink

Durchs wilde Okzitanien

Die dritte Etappe im Süden der Transalp führte durch den nördlichen Teil der Cottischen Alpen. Ein weitgehend unbekanntes Gebiet, in dem wir einsamste Täler und Dörfer entdeckten sowie eine Aussicht, wie sie sonst nur Engel kennen.

Die Po-Ebene breitet sich flach wie ein Blech um uns aus. Im Taxi fahren wir in der Frühlingssonne an Kiwiplantagen und Pfirsichbäumen vorbei, dahinter: die Alpen. Was wir mit den Ski dort machen wollten, fragt uns die Taxifahrerin. «Etwa die Berge hochlaufen?» Sie schüttelt den Kopf und lacht. In die Berge fahre sie höchstens, um sich in einem Liegestuhl zu bräunen.

Auch wir freuen uns am nächsten Morgen über die Sonne, wenn auch nicht im Liegstuhl. Vielmehr lassen wir im winzigen Steindorf Borgo im Valle Po die Bindungen einrasten und schultern die Rucksäcke. Das Ziel: während fünf Tagen die nördlichen Cottischen Alpen zu durchqueren. Berge, die im Winter zu den stillsten Gebieten der Alpen gehören.

SEINE MAJESTÄT DER MONVISO
An diesem ersten Tag steigen wir durch Lärchenwälder und über offene Hänge bergwärts, gehen an alten Maiensässen vorbei und blicken immer wieder zu diesem Gipfel: dem Monviso. Als perfekte Pyramide ragt er hinter uns auf. Ein Matterhorn, ein Ama Dablam, der mit seinen 3841 Metern Höhe die Majestät der Cottischen Alpen ist.

Nur einmal an diesem Vormittag kehren wir diesem Gipfel den Rücken zu: als wir auf der Kuppe namens Briccas o Trucchet stehen und auf die Po-Ebene hinausblicken. Es ist, als sähen wir den gesamten Alpenbogen. Den Monte Rosa in der Ferne, den Grand Combin und die Tessiner Alpen, die Seealpen von Nizza und selbst den Appenin. So müssen Engel die Alpen sehen, denke ich mir.

IM ALPINEN «OCCITÀNIA»
So ziehen wir immer weiter. Steigen auf Gipfel, überqueren Pässe, passieren Berge, klein und wild, zackig und steil, und entdecken jeden Tag eine neue Welt. Mal das italienische Val Pellice mit seinen Städtchen, Plätzen und Cafés. Mal das Rifugio Willy Jarvis, dessen warme Stube wir nach einem langen Tag im Schein der Stirnlampen unter einem Sternenhimmel erreichen. Ein anderes Mal ziehen wir die Ski im Dorf Le Roux im französischen Queyras aus, wo wir den Nachmittag bei Kaffee und Mousse au Chocolat auf einem Canapé vor dem Schwedenofen verbringen. Es ist eine langsame Reise durch ein Grenzland, in dem sich Italien und Frankreich vermischen und das vor allem eines ist: ein Teil von Okzitanien. Jenem provenzalischen Kulturraum, der die Alpen mit Südfrankreich und den Pyrenäen verbindet.

Dann, irgendwann, entdecken nicht nur wir Täler und Dörfer, sondern werden wir zur Entdeckung selbst. Einheimische bitten uns im Val Germanasca um ein Gruppenfoto und ein Gemeindemitarbeiter telefoniert ins nächste Tal, um bei einem Kollegen nachzufragen, wie dicht die Erlenstauden auf seiner Seite wucherten. Denn Skitourengeher, so erklären uns alle, würden sie hier kaum je sehen. Und so beugen wir uns jeden Abend tiefer über die Karten, suchen Übergänge und Flanken, Forststrassen und Lichtungen, die einen Durchschlupf bieten könnten.

DAS GLÜCK DER TÜCHTIGEN
Doch manche der Pässe lassen uns im Ungewissen. So auch die namenlose Scharte zwischen dem Val Germanasca und dem Val Chisone. Ob wir offene Hänge finden? Lichten Wald? Oder nur Gestrüpp und steile Tobel? – Es scheint das Glück der Tüchtigen zu sein, als wir jenseits des Passes durch Pulverschnee schwingen, eine schlafende Alp hinter uns lassen und eine abgelegene Forststrasse erreichen. Um wenig später winzige Steindörfer zu entdecken, die seit Jahrhunderten auf Felsvorsprüngen sitzen, sich in Lärchenwäldern verbergen und an Grasflanken klammern. In denen hie und da ein Kamin raucht, Hühner Gackern oder ein Hund bellt. Wie Entdecker einer vergessenen Welt fühlen wir uns hier. Gerade so, als wären wir beim Pass durch eine Pforte in eine andere Zeit geschlüpft.

Fünf Tage lang sind wir so unterwegs. Fünf Tage, an denen wir einsam durch die Cottischen Alpen spuren, bis wir auf dem Passo d’Orsiera stehen, hoch über dem Val die Susa. Wie eine Kerbe liegt dieses mit seinen Städten und Strassen zwischen uns und den Gipfeln der Vanoise nördlich davon. In seinem Talboden wird unsere diesjährige Transalp-Etappe zu Ende sein. Doch bevor wir talwärts kurven, drehe ich mich noch einmal um und blicke auf das Gipfelmeer, das wir durchquert haben. Dann schultere ich den Rucksack, lasse die Bindungen der Tourenski zuschnappen und denke mir: Von wegen in den Alpen sei alles entdeckt.

Text: Caroline Fink

Soirée zur Transalp

Vergangene Woche hat bergpunkt einmal mehr zu einer Soirée eingeladen, diesmal im Alpinen Museum in Bern. Der Abend stand ganz im Namen der Transalp.

Vorfreude ist die schönste Freude – das wissen wir schon lange. Doch auch ein Rückblick auf schöne Momente macht glücklich. Beides kultivierten wir von bergpunkt vergangene Woche anlässlich unserer Soirée zum Thema Transalp im Alpinen Museum in Bern: Wir blickten zurück auf zwei Winter Transalp, reisten in grossen Bildprojektionen und Videosequenzen noch einmal nach Nizza, zogen im Sturm durch die Seealpen und genossen den Kaiserschmarrn im Stubai. Und: Wir freuten uns auf alles, was das Projekt noch bringen wird.

Im Rahmen einer Podiusmsdiskussion verriet bergpunkt-Bergführer Daniel Silbernagel ausserdem, dass auch er im Nebel in den wilden Seealpen Frankreichs kein leichtes Spiel hatte; Mathis Wallrabenstein, Gast und Mit-Initiator des Projekts, überzeugte alle davon, dass im Alpenbogen das Abenteuer durchaus noch zu finden ist; und Gästin Susanne Härri erzählte, wie sie auf der Transalp ihr Herz an die Cottischen Alpen Italiens verlor und soeben mehrere Wochen in einer der Herbergen arbeitete, die sie auf der Transalp besucht hatte.

Dass die drei auch diesen Winter eine weitere Strecke des «Traums Transalp» verwirklichen werden, ist keine Frage. Und wer weiss, vielleicht hat dieser bergpunkt-Virus in Bern auch einige der Zuschauer und Zuschauerinnen erwischt. Denn zu spät zum Träumen ist es bei uns nie: Ein Einstieg ins Projekt ist jederzeit möglich. Wir freuen uns auf bisherige und neue Begeisterte, auf den nun baldigen Schnee und unsere weiteren Abenteuer im Alpenbogen!

 

 

A presto, Transalp!

Auch im zweiten Winter der Transalp haben die Alpen uns immer wieder überrascht. Mal mit einsamsten Tälern und Gipfeln in den Cottischen Alpen, mal mit eiskalten Minuten während der Sonnenfinsternis im Stubai. Und manchmal auch mit Schnee und Sturm, so dass wir etwa die Etappe der TransalpSchweiz zwischen Simplon und Tessin ins nächste Jahr verschieben mussten. Doch genau so soll es sein: Während wir kleinen Menschen den grossen Alpenbogen durchqueren, sollen die Berge das Sagen haben.

Nun stellen wir die Tourenski in den Keller und freuen uns auf den Sommer. Denn während diesem werden wir nicht bloss klettern, wandern und bergsteigen, sondern auch: die nächsten Etappen der Transalp planen! Schliesslich wollen wir im Winter 2016 unsere Route quer durch den Alpenbogen fortsetzen. Im Süden durch die wilden Cottischen Alpen ziehen und im Osten die Tauernalpen entdecken. Daneben werden aber auch unsere Etappen der ersten zwei Jahre auf dem Programm stehen – ein Einstieg ist jederzeit möglich.

Vorerst wünschen wir Ihnen jedoch eine schöne Sommerpause und sagen: Bis bald auf diesem Kanal!

Text und Foto: Caroline Fink

Durch den Ozean aus Bergen

Föhnsturm und Ferner, Sonnenfinsternis und Sternenhimmel –­  die zweite Etappe im Osten bot ein Glanzlicht nach dem andern. Und führte ganz nebenbei noch vom Ötztal durch die Stubaier Alpen ins Gschnitztal.

Es ist Freitag Vormittag, als wir aus dem Schatten des Morgens auf eine sonnige Kuppe steigen. Eine Insel aus Gras inmitten des Schnees ist sie. Hier schnallen wir die Ski ab, setzen uns auf die Rucksäcke und blicken auf unsere Uhren: Es ist 10.35 Uhr. Wir sind genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort: In fünf Minuten wird die partielle Sonnenfinsternis über Europa ihren Höchststand erreichen!

Das Spektakel am Himmel lässt uns innehalten. Für einen Moment vergessen wir, dass wir für den Traum «Transalp» unterwegs sind. Für jenes Projekt also, das uns in mehreren Jahren von Nizza nach Wien führen wird.  Inmitten der Stille der Alpen sehen wir nur noch die Sonne – oder das, was der Mond von ihr übrig lässt. Und wir erleben, wie das Licht sanft und die Luft eiskalt wie im Dezember wird. So kalt, dass wir in unseren Daunenjacken zu frieren beginnen und bald mit klammen Händen und fröstelnd weiterziehen.

Fünf Tage ist es her, seit wir mit dem Zug aus der Schweiz Richtung Osten geschaukelt sind. Vorbei an Bludenz, St. Anton und Landeck bis zur Haltestelle Ötztal, wo ein Taxifahrer unsere Ski und Rucksäcke in einen Minibus hievte. Ein bärtiger Bergler schien er zu sein, doch er war der Berge überdrüssig: Nach Ostern fahre er in den Süden, sagte er uns. Er sehne sich nach dem Meer. Wir hingegen freuen uns in diesem Moment auf die Berge: Auf der zweiten Etappe der TransalpOst wollen wir die Stubaier Alpen vom Ötztal bis ins Gschnitztal durchqueren.

Unterwegs zur Amberger Hütte fühlen wir uns ganz wie in der Schweiz: Andere Tourenfahrer kommen uns entgegen, Schlittler sausen vorbei und Wanderer spazieren dem Winterwanderweg entlang, während dahinter ein Berg als mächtige Pyramide in den Himmel ragt. Ganz wie daheim, eben. Wären da nicht die kleinen Unterschiede: So heisst der wuchtige Gipfel Schrankogel, das Bergbeizli ist eine Jausestation, wir bestellen in diesem Johannisschorle und Topfenstrudel und werden mit einem fröhlichen «Bhietdi!» verabschiedet.

Doch bald treffen wir erneut einen alten Bekannten: den Föhn! Abends schon pfeift er ums Dach der Amberger Hütte und tags darauf begleitet er uns Schritt auf Tritt. Während wir zum Kuhscheibenspitz unterwegs sind, lauert er uns hinter jeder Kuppe auf. Wirbelt uns in Böen entgegen und fegt uns Schnee ins Gesicht. Je höher wir steigen, desto wilder peitscht er um Gipfel und Grate. Im Skidepot zum Kuhscheibenspitz reisst er fast Felle und Ski mit sich fort, bevor wir mit hochgeschlagenen Kapuzen zum Gipfelkreuz kraxeln.

Dann, am dritten Tag ist es auf einmal windstill. Wie blank gefegt breitet sich der Himmel über uns aus, die Sonne hängt als gleissende Kugel im Blau. Als stünden wir im Zentrum einer Lupe brennt sie auf uns hinab, während wir von der Franz-Senn-Hütte aus auf das 3288 Meter hohe Wilde Hinterbergl steigen. Ein kleiner Gipfel mit grosser Aussicht, auf dem das Transalp-Gefühl wieder da ist: In alle Himmelsrichtungen blicken wir und sehen Zacken, Kuppen und Spitzen, deren Namen wir nicht kennen. Wie ein Ozean aus Bergen breiten sich die Alpen rund um uns aus. Ein Ozean, dessen Grösse wir vielleicht nur deshalb erahnen, weil die Namen der Berge hier dem Geist nicht mehr im Weg stehen.

Jeden Tag durchqueren wir ein winziges Stück dieses Gipfelmeeres. Werden zu acht Punkten in der Weite der Ostalpen. Ziehen an blau schimmernden Gletscherbrüchen vorbei, überqueren die weissen Kessel des Alpeiner Ferners oder Berglasferners und steigen über Pässe und Scharten ins nächste Tal. Wobei manche der Übergänge nichts als Durchschlüpfe zwischen Zacken und Türmen sind. Die Ski wie Hinkelsteine auf dem Rücken, stapfen wir dann ein Couloir hoch, um im schmalen Einschnitt die Magie eines jeden Passes zu erleben: den Blick in eine neue Welt. In einen Gletscherkessel oder ein Tal, in dem wir eine neue Hütte oder ein Dorf entdecken werden.

Dann, am Tag der Sonnenfinsternis, sind wir fast am Ende der Stubaier Haute Route angelangt. Als die Sonne wieder mit ihrer ganzen Kraft auf uns scheint, steigen wir hoch zur schlafenden Nürnberger Hütte. Oder besser: zu ihrem Winterraum. Einem Häuschen, in dem wir uns fühlen, als wären wir zu Acht ins Sechserabteil eines Nachtzuges geraten. Doch gegen Abend knistert der Ofen, die Spaghetti dampfen und wir plaudern und lachen, bis die Dunkelheit über die Gipfel zieht und über uns so viele Sterne glitzern, als hätte jemand Diamanten in den Nachtimmel gestreut.

Dass wir am nächsten Morgen mit kleinen Augen hinaus ins die Morgendämmerung treten, macht uns nichts aus. Denn dies wird der letzte Tag dieser Transalp-Etappe sein. Etwas müde werden wir die Ski noch einmal hinein in einen einsamen Gletscherkessel schleifen, die Nürnberger Scharte überqueren und danach talwärts kurven. Bis es auf einmal wieder nach Tannennadeln riechen und ein Bach zu Vogelgezwitscher plätschern wird. Hier, im Gschnitztal, werden wir unsere Bindungen vorerst ein letztes Mal aufschnappen lassen, um wenig später im Gasthof Feuerstein zu sitzen. Vor uns auf dem Tisch: den besten aller Kaiserschmarrn!

Text und Bilder: Caroline Fink

«Es war wie eine Heimkehr»

Das zweite Jahr des Transalp-Projekts hat begonnen. Vergangene Woche zog Bergführer Jürg Anderegg mit einer Gruppe durch die Cottischen Alpen. Mit dabei waren auch Teilnehmende, die letztes Jahr in Nizza gestartet sind. 

Vor einem Jahr stand Susanne Härri Zwygart, 60, mit der ersten Transalp-Gruppe am Strand von Nizza. Danach zogen sie und ihre KameradInnen bei Sturm und Schnee durch die Seealpen bis ins italienische Valle Stura. Jetzt, ein Jahr später, ist sie genau dorthin zurückgekehrt, um bei der zweiten Etappe der grossen Alpentraverse dabei zu sein: Jener durch die Cottischen Alpen. Einem einsamen Gebiet der italienisch-französischen Alpen, in dem sich in aller Stille der 3841 Meter hohe Monte Viso erhebt.

Susanne, während der ersten Etappe der Transalp herrschte Aufbruchstimmung in der Gruppe. Man spürte: Hier beginnt etwas Grosses. Konntet ihr dieses Gefühl ins zweite Jahr mitnehmen?
Am meisten hat unser Bergführer Jürg diese Abenteuerstimmung verbreitet. Es hatte etwas Pionierhaftes, wie er die Woche organisierte. Auch für ihn waren die Cottischen Alpen Neuland und er sass manchmal stundenlang hinter der Karte und sprach mit Hüttenwarten.

Und für dich persönlich: Konntest du am letzten Jahr anknüpfen?
Auf jeden Fall. Allein schon die Tatsache, wieder ins Valle Stura zu reisen, war besonders. Es war wie eine Heimkehr: das Tal, die Unterkunft, die Strassen fühlten sich vertraut an und viele Erinnerungen von letztem Jahr waren wieder da.

Dieses Jahr ging es durch die Cottischen Alpen. Ein unbekanntes Gebiet für die meisten von uns. Was kannst du uns aus der Fremde erzählen?
Dass die Cottischen Alpen ein unglaublich einsames Gebiet sind. Wir zogen allein von Übergang zu Übergang, beobachteten Steinböcke und Bartgeier und entdeckten verlassene Steindörfer.

Und übernachtet…
… haben wir ganz feudal. Das war überraschend für mich. Im Geisterdörfchen Chiaperra etwa haben zwei Gastgeber eine alte Schule umgebaut. Stell dir vor: Nach einem Tag in der Wildnis übernachteten wir dort in einem geschmackvoll eingerichteten Haus und bekamen ein piemontesisches Viergangmenu serviert!

Das klingt nach dem Highlight der Woche!
Es war eines der Highlights. Daneben gab es aber noch andere schöne Momente.

Verrätst du sie uns?
Am fünften Tag kamen wir über eine Krete und er stand da: der Monte Viso. Aus dem Nichts ragte er auf einmal vor uns auf. Das war ein magischer Moment.

Und der letzte Tag war auch speziell: Wir standen oberhalb des Dorfs Ostana auf einem Gipfel. Von diesem aus blickten wir auf die Po-Ebene und das Halbrund der Alpen bis hin zu Monte Rosa und Matterhorn. Das war eindrücklich. Quasi ein Blick in die Zukunft!

Du machst weiter auf der Transalp.
Ob ich es bis nach Wien schaffe, weiss ich nicht. Aber im Moment ist die Lust gross, weiterzumachen!

Interview: Caroline Fink | Fotos: Olivier Pasche

Weiter geht’s!

In den letzten Monaten hat unser «Projekt Transalp» geschlummert. Doch nun sinkt die Schneegrenze bald wieder dem Tal entgegen und wir freuen ganz besonders auf eines: dass die Transalp weitergeht. Und wir damit den Traum weiterleben, die Alpen der Länge nach per Tourenski zu durchqueren.

Diesen Winter werden wir jeweils auf der zweiten Etappe der drei Abschnitte TransalpSüd, TransalpSchweiz und TransalpOst unterwegs sein: In den Cottischen Alpen werden wir an der französisch-italienischen Grenze den Monte Viso bestaunen, in den hiesigen Alpen werden wir die stillen Winkel zwischen Simplonpass und Val Bedretto entdecken, während im Osten die  Stubaier Alpen mit feschen Unterkünften, süssen Speisekarten und idealen Tourenzielen locken. Für alle, die uns auf der grossen Reise begleiten wollen: Alle Infos dazu gibt es hier.

Und noch was: Auch die letztjährigen Etappen von Chamonix ins Saastal sowie von Nizza durch die Seealpen ins italienische Valle Stura werden nochmals stattfinden. Wobei letztere die beiden bergpunkt-Gründer Michael Wicky und Emanuel Wassermann persönlich leiten werden. Warum? Ganz einfach:  Weil’s so schön war!